KRAFTWERK BARBIAN-WAIDBRUCK
STANDORT DES WERKS
Das Wasserkraftwerk in Barbian-Waidbruck nutzt den mittleren Flusslauf des Eisacks und erstreckt sich über etwa 10 km im unteren Eisacktal. Es liegt auf dem Gebiet der zum Kreis Bozen gehörenden Gemeinden Klausen, Feldthurns und Barbian.
GESCHICHTE
Das Werk Barbian-Waidbruck wurde 1935 im Rahmen eines umfassenden, mit der italienischen Landesregierung abgestimmten Industrieentwicklungsplans von der Montecatini Gruppe entworfen. Dieser Plan sah die Errichtung eines zweiten großen Aluminumhüttenwerks in Bozen vor (das damals von nationalem Interesse war), wozu der Bau eines Wasserkraftwerks in Waidbruck zur Stromversorgung ebenso unerlässlich schien wie der Bau eines großen Umspann- und Stromverteilerwerks in Bozen.
Mit dem Bau wurde die Elektrizitätsgesellschaft Oberetsch (E.G.O.E.) betraut. Der Baubeginn erfolgte Ende 1936 und schon zwei Jahre später, im Dezember 1938 konnte das Werk fertiggestellt werden.
Für die damaligen Verhältnisse hatte das Werk gewaltige Ausmaße und Kapazitäten. Besonders beeindruckend waren der von Ing. Dufour entworfene Sandfang mit waagerechter Scheidewand (seinerzeit der größte Sandfang überhaupt), der lange Stollen, der mit einer Ausbauwassermenge von 100 m³/s damals der leistungsstärkste ganz Italiens war, und der große, in einer Kaverne untergebrachte Maschinenraum.
TECHNISCHE BESCHREIBUNG
Das Werk nutzt das Wasser des Eisacks in einem Einzugsgebiet von insgesamt 3.045 km². Das Hauptsperrwerk, das den Eisack in Höhe der Ortschaft Vilnöss aufstaut, besteht aus einem 57,50 m langen Betonwehr mit einer 5 m großen und drei 15 m großen Öffnungen mit ölhydraulisch gesteuerten Plattenschützen mit aufgesetztem Klappenschütz zur automatischen Regulierung des Staupegels. Das kleinste Schütz mit der niedrigsten Schwelle dient zugleich auch als Entkieser.
Der Einlauf liegt auf dem rechten Ufer unmittelbar oberhalb des Sektorschützes. Er besteht aus acht von einem Rechen mit halbautomatischem Rechenreiniger geschützten Öffnungen, an denen Schützen mit automatischen Staureglern angebracht sind. Vor den Einlaufrechen befindet sich eine Überlaufmauer, unterhalb derselben ein Sektorschütz zur Entsandung des Einlaufbereichs steht. Sämtliche Schützen lassen sich per Ölhydraulik von der Steuerwarte auf dem linken Ufer aus bedienen. Außerdem ist das Wehr mit einer am linken Flussdeich angelegten Fischtreppe ausgestattet.
Die Ableitung besteht zunächst aus vier Kanälen, die in zwei parallelen, 145 m langen Dufour Sandfängen mit waagerechter Scheidewand und Überlauf münden. Diese laufen in einem kurzen Kanal zusammen, der in den 7.608 m langen Freispiegelableitstollen mit einem Querschnitt von 27,40 m² und einer maximalen Durchflussmenge von 100 m³/s führt.
In einer Kaverne am Stollenende befindet sich ein mit Überlauf versehener Auffangstollen mit einem Fassungsvermögen von 5.000 m³, der über einen Brunnen direkt mit dem Ablasskanal in Verbindung steht. Unterhalb des Auffangstollens beginnt die in den Fels gegossene Druckleitung aus Stahlbeton. Sie hat einen Durchmesser von 6 m, ist 53 m lang und am Hauptende mit zwei ölhydraulisch gesteuerten Gewichtsplattenschützen mit Freiklappe versehen. Schliesslich zweigt von der Druckleitung eine Sammelleitung aus genieteten Stahlrohren ab, deren Durchmesser zwischen 5,40 m und 4,40 m variiert. Die Sammelleitung mündet in drei 2,70 m dicke Rohrleitungen, welche die Francisturbinen versorgen.
Der in einer Kaverne untergebrachte Maschinenraum hat ein Volumen von rund 22.000 m³. Dort sind drei Stromerzeugungsaggregate mit stehender Welle aus je einer hydraulischen Francisturbine mit einer Leistung von 18.330 kW bei 250 U/min mit drehbarem Absperrventil sowie ein Wasserkraftgenerator mit 25.000 kVA bei einer Spannung von 10 kV aufgestellt. In der Kaverne befinden sich ferner Räumlichkeiten für die Schalttafeln der Automatik, Schutzvorrichtungen für die Aggregate und Schalttafeln für Hilfsfunktionen.
Die Kaverne ist über einen 170 m langen Fahrstollen zugänglich, in einem weiteren Stollen sind Aluminumschienen zum 10 kV-Anschluss der Stromumwandler an die Aufwärtstransformatoren verlegt sowie die Leitungen für Hilfs, Wartungs und Steuerfunktionen der Anlagen des Umspannwerks. Über einen 683,70 m langen Freispiegelableitkanal wird das genutzte Wasser wieder dem Eisack zugeführt.
Das auf zwei Ebenen angelegte Umspannwerk befindet sich etwas unterhalb des Eingangs zum Hauptstollen. Auf der ersten Ebene sind die drei Haupttransformatoren mit 25.000 kVA und den Koeffizienten 10/130 kV sowie die Transformatoren der Hilfsfunktionen aufgestellt, auf der zweiten Ebene der Hochspannungsteil der Aggregate und die 130 kV Schiene, die an vier Leitungen des nationalen Stromnetzes angeschlossen ist. Jeder Transformator ist mit den entsprechenden Hochspannungsanlagen (Schalter, Trennschalter, Stromwandler) ausgestattet.
In einem Gebäudekomplex mit einem Rauminhalt von etwa 11.000 m³ neben dem Umspannwerk sind die 10 kV-Anlagen, die Akkumulatorenbatterien, Fernsteuerungs- und Fernmeldeapparate, die Schaltwarte, Werkstätten und Büros untergebracht. Die Dienstwohnungen liegen unweit davon in einem eigenen Wohnbau.
Das Kraftwerk wird vom Fernüberwachungszentrum in Bozen aus fernbedient.



