KRAFTWERK LAAS-MARTELL
STANDORT DES WERKS
Das Wasserkraftwerk Laas-Martell befindet sich im mittleren Vinschgau, einem durch den Flusslauf der Etsch gegrabenen Alpental, und erstreckt sich bis ins angrenzende Martelltal. Es liegt auf dem Gebiet der zum Kreis Bozen gehörenden Gemeinden Martell und Laas.
GESCHICHTE
Das Werk Laas-Martell ist fester Bestandteil des ursprünglich von der Montecatini Gruppe entworfenen Wassernutzungsplanes des Etschbeckens oberhalb Merans. Es nutzt die Wasserläufe einiger rechtsseitiger Etschzuflüsse, die von der Nordwand des Cevedalemassivs kommen. Staudamm und Nebenfassungen rechnen mit ihrer Lage auf über 1.850 m Höhe zu den Hochgebirgsanlagen.
Die Baupläne entstanden Anfang der fünfziger Jahre, Baubeginn war 1952. Obwohl die Bautätigkeit im Freien im Hochgebirge nur an fünf Monaten pro Jahr möglich ist, wurde der Bau nach nur zwei Jahren fertiggestellt. Davon war allerdings der Zufrittsstaudamm ausgenommen, der in Saisonarbeit von 1954 bis 1956 fertiggestellt wurde.
Da es auf den Baustellen des Schachtwasserschlosses und der Druckleitung wie im gesamten Laasertal keine Straßen gab, waren die Zugangs und Transportmöglichkeiten äußerst beschränkt. Insgesamt waren zum Bau der Anlage neun Millionen Arbeitsstunden und über 100.000 t Zement nötig.
Wichtigster Bestandteil des Werks ist der Zufrittstaudamm. Da er auf einem abfallenden Gletschersockel errichtet werden sollte, waren sorgfältige geologische Voruntersuchungen und Projektstudien zum Bau notwendig. Durch die beim Bau verwendeten, eigens entworfenen Massivkopfpfeiler, welche eine völlige technische Neuerung darstellten, konnten sowohl die Wärmeabgabe beim Abbinden als auch die notwendige Betonmenge optimiert werden. Erstmals wurden hier Gummidichtungen zwischen den einzelnen Pfeilern verwendet; gründliche Vorstudien waren zudem auch für die geeignete Betonmischung vonnöten, wobei besonderes auf Wasserundurchlässigkeit und Frostbeständigkeit geachtet werden musste.
TECHNISCHER AUFBAU
Das Werk Laas mit seinem künstlichen Staubecken zur Saisonspeicherung nutzt das Wasser der beiden rechten Etschzuflüsse Plima und Laaserbach. In den Ableitungsstollen mündet außerdem über eine Sammelrohrleitung Wasser der rechten Zuflüsse des Plima und Laaserbachs, Soybach und St. Mariabach, sowie der linken Zuflüsse Schluderbach und Rosimtalbach. Weiter talabwärts erhält der Stollen auch Wasser des Laaserbachs aus dem Wehr in Oberlaas.
Die beiden kleinen Pumpstationen St. Johann und Faltin vervollständigen durch die Rückgewinnung der unter den Sperranlagen durchfliessenden Wassermenge die Wasserzufuhr aus Plima und Laaserbach. Das Gesamteinzugsgebiet umfasst 117,40 km²; mit seiner durchschnittlichen Höhenlage von 2.400 m ü.d.M. besteht es zu 22% aus Gletschern, von denen der Staudamm 77 km² direkt einschliesst.
Das Hauptsperrwerk am Plimabach ist die entlastete Gewichtsstaumauer am Zufrittsee, die aus 17 je 18 m breiten Pfeilern mit zwei dickwandigen Druckflanschen besteht. Am höchsten Punkt misst es 83 m, die Krönung liegt damit auf 1.851,50 m ü.d.M. Die Betonwerke haben ein Volumen von 310.000 m³, der zum Bau notwendige Aushub belief sich auf 250.000 m³. Durch den Staudamm entsteht das gleichnamige künstliche Wasserbecken. Mit einer Nutzkapazität von 19.600.000 m³ kann es ein Abfliessvolumen von 76.000.000 m³ jährlich regulieren. Der maximale Regulierungspegel liegt bei 1.850,50 m ü.d.M.
Auf dem linken Ufer hat das Wehr einen aus einem Flügelschütz bestehenden Überfall als Teil eines automatischen Regulierungsmechanismus sowie zwei parallele Grundablässe mit je zwei aufeinander folgenden Schützen. Das mit Stab und Gitterrechen sowie einem Plattenschütz gesicherte Einlaufbauwerk befindet sich ebenfalls auf dem linken Ufer. Der Damm verfügt über zahlreiche Kontrollinstrumente und ein automatisches Monitoringsystem, das über Funk mit der (rund um die Uhr besetzten) Schaltzentrale in Verbindung steht.
Die Hauptbeileitung besteht aus einem etwa 10,80 m langen Druckstollen von 2,10 m Durchmesser. In den Hauptstollen münden die folgenden Nebenleitungen: aus den Gewässern Flimbach, Soybach, St. Mariabach, Schluderbach, Rosimtalbach über feste, gemauerte Überfallwehre mit handbetriebenen Einlauf- und Abflussschützen und Rechen am Einlaufbauwerk.
Winter- und einen Sommereinlauf, letzter besteht aus einem Absetzbecken mit Sandfangschütz. Eisenleitungen münden in eine Sammelleitung, die auch das Wasser der Pumpstation St. Johann aufnimmt. Die Pumpstation besteht aus einem Mauerwehr mit einer Überlaufkante auf einer Höhe von 1.612 m ü.d.M. und einem Sickerbecken mit Auslassschütz, das ein zweites Becken speist das eigentliche Pumpbecken. Dort sind zwei Pumpen mit stehender Welle installiert, die eine Förderhöhe von 262 m und ein Saugvermögen von 35 bzw. 65 l/s haben. Eine dritte Pumpe mit einer Förderhöhe von 6 m und einem Saugvermögen von 30 l/s dient der Rückgewinnung des Wasseraustritts. Alle drei Pumpen befinden sich in einer Kabine am linken Ufer des Plimabachs in der Ortschaft St. Johann, wo auch Elektroanlagen, Absperrschieber und die Überlaufventile der Pumpdruckleitungen untergebracht sind.
Die Leitungen führen in eine Sammelleitung von 350 mm Durchmesser mit Absperrschiebern und Ablauf, die wiederum in die Hauptsammelleitung einmündet. Diese ist 600 mm stark und hat ein maximales Abflussvermögen von 700 l/s. Etwa in Höhe der Abschnittsnummer 1.700 mündet sie parallel zum Fensterstollen 1 in den Hauptstollen. aus dem Laaserbach über ein festes, gemauertes Überfallwehr (das so genannte Oberlaaser Wehr, das nicht mit dem Wehr des Werks Kastelbell zu verwechseln ist) mit vier festen Einlaufrechen, einem Entkiesungsschütz und einem Wintereinlaufschütz.
Das Entkiesungsschütz kann sowohl von Hand betrieben als auch ferngesteuert werden. Das abgeleitete Wasser wird über einen Beileitungskanal ins Sandfangbecken geleitet, das mit abnehmbaren Schrägrechen und Grundablass versehen ist. In Fliessrichtung folgt ein handbetriebenes Einlaufplattenschütz, ein zweiter Beileitungskanal und ein Einlaufbrunnen mit Entlüftungsscheidern, der in Höhe von Fensterstollen 2 in den Hauptstollen der Anlage mündet.
Die Pumpstation Faltin dient zur Rückgewinnung des Wassers, das das Oberlaaser Wehr unterläuft und besteht aus einem Mauerwehr mit Rechen, einem Überlauf mit Einlaufschütz sowie einem Sickerbecken mit Auslaufschütz. Daran schliesst sich ein Überlaufkanal an, der das Pumpbecken speist. Die Förderhöhe der zwei Pumpen mit stehender Welle schwankt zwischen 160 und 213 m, ihr Saugvermögen liegt bei 85 bzw. 160 l/s. Die Pumpen sind genau wie die dazugehörigen Elektro und Fernsteueranlagen, die Absperrschieber und die Überlaufventile der Pumpdruckleitungen in einer Kabine am rechten Ufer des Laaserbachs untergebracht.
Die Druckleitungen münden in eine 300 mm starke Sammelleitung mit Absperr und Ablaufschieber, der in den Fensterstollen 2b mündet. Der Hauptstollen endet in einem Schachtwasserschloss mit einer unteren Füllkammer und einer oberen Schwallkammer. Es ist so bemessen, dass das Werk auch im Falle einer vorübergehenden Unterbrechung des Maximalflusses regulär arbeiten kann. Unterhalb des Schachtwasserschlosses ist der Stollen über zwei aufeinander folgende Drosselklappen an eine Metallrohrleitung angeschlossen; die Klappen können per Fernsteuerung bedient werden und schliessen bei zu hoher Fliessgeschwindigkeit automatisch.
Es folgt ein Luftsaugventil, dahinter beginnt die 2.180 m lange Druckleitung, deren Durchmesser am Scheitel 1,70 m und an der Basis 1,47 m beträgt. Die unterirdisch verlaufende Druckleitung besteht aus 6 bis 8 m langen, bis zu 8 t schweren Teilabschnitten und hat ein Gesamtgewicht von 2.150 t. Am Fuß der Druckleitung, vor der Gabelung zur Turbinenversorgung, befindet sich ein Kugelventil. Die Zentrale besteht aus einem 16 x 45 m großen und 16,50 m hohen Aussengebäude mit Maschinenraum, Schaltwarte, sämtlichen Diensträumen, Lagerräumen und Werkstatt. Im Maschinenraum ist ein Stromerzeugungsaggregat mit waagerechter Welle für eine Ausbauwassermenge von 7,5 m³/s untergebracht.
Das Aggregat besteht aus einer zweistrahligen Peltonturbine mit einer Leistung von 63.000 kW bei 500 U/min und einem Wasserkraftgenerator von 70.000 kVA bei einer Spannung von di 10 kV. Daneben sind im Maschinenraum die Steuerwarten zur lokalen Überwachung und die Schutzvorrichtungen für die Stromerzeugungsaggregate installiert, außerdem Transformatoren und Schalttafeln für Hilfsfunktionen sowie Filter, Kühl und Schmieranlagen. Der Maschinenraum verfügt über einen Brückenlaufkran.
Zur Zentrale gehören außerdem Fernmeldekabine, Nebenschaltraum mit Gleichstromverteiler und Hilfsausrüstung, Werkstatt, Akkumulatorenraum und die von einem Transformator mit einer Leistung von 16 MVA versorgte 10 kV Schaltwarte. Das Aggregat ist an einen dreispuligen Aufwärtstransformator mit 70.000 MVA und den Transformationskoeffizienten 10/130/220 kV angeschlossen, ihr Radiatorenkühlsystem arbeitet mit Naturumlauf. Der Transformator ist Teil des nationalen Stromnetzes.
Das von der Zentrale genutzte Wasser fließt über einen nur 22 m langen Freispiegelkanal ab, der direkt in den Beileitkanal der darunterliegenden Zentrale Kastelbell mündet. Zur Versorgung der einzelnen Anlagen verfügt das Werk ferner über ein eigenes 10 kV Stromnetz, das ans Verteilernetz des nationalen Stromkonzerns ENEL angeschlossen ist. Es sei zum Schluss noch erwähnt, dass die Anlage einen vom Abflusskanal abzweigenden Wasserverteiler zu Bewässerungs und Frostschutzzwecken speist.
Das Werk wird vom Fernüberwachungszentrum in Bozen gesteuert.



