KRAFTWERK WIESEN-PFITSCH
STANDORT DES WERKS
Das Wasserkraftwerk Wiesen-Pfitsch nutzt den mittleren Abschnitt des linken Eisackzuflusses Pfitscherbach und die beiden Arme des Afenserbachs. Das Werk liegt auf dem Gebiet der zum Kreis Bozen gehörenden Gemeinde Pfitsch.
GESCHICHTE
Das Kraftwerk Wiesen wurde in den Jahren 1926 bis 1927 von der "Wasserwerksgesellschaft Pfitsch", einer mit der Edison AG verbundenen Gesellschaft, gegründet und 1929 von Edison aufgekauft.
Das Kraftwerk bildete die erste Stufe der Pfitscherkonzession und sollte eigentlich durch ein kleineres zweites Werk vervollständigt werden. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise, die in Italien ab Ende 1929 landesweit einen erheblichen Rückgang des Energiebedarfs nach sich zog, kam es jedoch nicht zum Bau des zweiten Werks.
Ausschlaggebend für den Bau des Werks Wiesen war u.a. ein Abkommen mit der italienischen Staatsbahn, die damals gerade mit der Elektrifizierung der Brennertrasse begann. Dementsprechend war das Kraftwerk mit zwei Aggregaten mit variabler Frequenz zwischen 42 und 50 Hz sowie einem normalen Stromerzeugungsaggregat mit 50 Hz bestückt und nutzte auch staatsbahneigene Aufwärtsgeneratoren. Um den Zügen die zur Abfahrt vom nahegelegenen Bahnhof Sterzing und zur Überwindung der Steigung in Richtung Brenner erforderliche Höchstleistung zu gewährleisten, verfügte das Kraftwerk zudem über ein besonderes Auffangbecken, das auch bei niedrigem Pegelstand kurzfristig die Abgabe der Höchstleistung ermöglichte.
TECHNISCHE BESCHREIBUNG
Das Kraftwerk nutzt das Wasser des Pfitscherbachs und seines Zuflusses Afenserbach in einem Gesamteinzugsgebiet von 119 km², dessen erster Teil aus Gletschern besteht. Die zwischen 1997 und 1998 vollständig wieder aufgebaute Sperranlage am Pfitscherbach besteht aus einem Betonwehr mit zwei 9 m großen Öffnungen mit einer absoluten Schwellenhöhe von 1.362 m ü.d.M. Die Öffnungen sind mit 4 m hohen Sektorschützen versehen, die auf 1.365,15 m ü.d.M. einen eigenen Überlauf besitzen. Die Schütze können von einer Steuerwarte im Zentrum der Dammkrönung aus ölhydraulisch bedient werden.
Zum rechten Ufer hin folgen zwei wahlweise hand-ies oder motorbetriebene Schütze, die zugleich als Grundablass und Entkieser dienen. Durch die Sperre entsteht ein künstliches Wasserbecken mit einem maximalen Regulierungspegelstand von 1.365,90 m ü.d.M., dessen Fassungsvermögen wegen der starken Versandung schwankt.
Das Ableitungsbauwerk mit zwei Sommereinläufen und einem Wintereinlauf steht auf dem rechten Ufer. Alle drei Einläufe haben Schutzrechen mit automatischem Rechenreiniger und motorbetriebene Schütze. Der Wintereinlauf speist einen kurzen geschlossenen Kanal, der am Ende mit einem zweiten motorbetriebenem Schütz in geschlossener Kabine versehen ist, das sowohl vor Ort als auch per Fernsteuerung bedient werden kann und die Einströmmenge in den Ableitstollen regelt.
Die Sommereinläufe hingegen speisen ein geschlossenes Absetzbecken mit Überlauf zur Regulierung der Einströmmenge und Grundablass. Sie sind ebenfalls mit einem zweiten Schütz in geschlossener Kabine gesichert, das die Einleitung in den Stollen regelt. Vor diesem Schütz befindet sich ein weiteres Rechensystem mit rotierendem Rechenreiniger. Auf dem linken Ufer steht ein Wärterhaus mit Dienst und Gästezimmern und Schaltwarte. Im Gebäude ist ferner ein Generatoraggregat installiert.
Der 3.764 m lange Freispiegelableitstollen hat einen variablen Querschnitt zwischen 4,50 und 4,90 m² und eine maximale Durchflussmenge von 11 m³/s. In Höhe der Schnittpunkte des Stollens mit den beiden Armen des Afenserbachs münden zwei kurze Kanäle ein. Die Einleitung erfolgt über Öffnungen mit direkt an der Kanaldecke angebrachten Rechen etwa in Höhe der Markierungen 1.424 und 2.111.
Am Ende des Stollens befindet sich ein Überlauf, gefolgt von einer Auffangkammer mit 8.000 m³ Fassungsvermögen. Daran schliessen zwei parallele, je 535 m lange Druckleitungen aus genietetem Stahl an, deren Durchmesser zwischen 1,50 und 1,05 m schwankt. Diese Druckleitungen sind am Anfang mit zwei aufeinander folgenden Drosselklappen gesichert, von denen sich eine bei zu hoher Fliessgeschwindigkeit automatisch schließt. Eine Trasse neben den Druckleitungen dient dem Transport von Material und Ausrüstungsgegenständen. Der Maschinenraum ist in einem Gebäude mit etwa 21.900 m³ Rauminhalt untergebracht.
Dort sind die folgenden drei waagerechten Stromerzeugungsaggregate mit Peltonwasserturbinen und ein Wasserkraftgenerator aufgestellt:
Turbine: | 2 horizontalachsige Peltonturbinen mit 2 Laufrädern |
Maximale Einzelleistung: | 12,43 MW (24,86 MW gesamt) |
Leistung des Generators: | 16 MVA für beide Einheiten |
Generatorkühlung: | Luft |
In weiteren Gebäudeteilen sind folgende Anlagen untergebracht:
- Schalttafeln für die Automatik der Aggregate;
- metallgeschottete Schaltanlagen mit mittlerer Spannung (6 kV);
- Schalttafeln und Transformatoren für Hilfsfunktionen;
- Akkumulatorenbatterien;
- Fernmeldeanlagen;
- Werkstätten, Lager und Diensträume.
Neben dem Bau liegt ein als Garage und Lagerhalle genutztes Gebäude; in einem weiteren, heute nicht mehr genutzten Gebäude, waren die Dienstwohnungen untergebracht. Außen, auf dem linken Ufer des Pfitscherbachs liegt das Umspannwerk mit einem Aufwärtstransformator mit 30 MVA und den Koeffizienten 6/130 kV mit den entsprechenden Hochspannungsanlagen (Trennschaltern, Schaltern, Stromwandlern, Überspannungsableitern).
Der Transformator ist auf 6 kV Schienen über eine kurze Kabelleitung an die Stromerzeugungsaggregate angeschlossen. Außerdem sind im Umspannwerk Schienen und Schaltanlagen für zwei ausgehende 130 kV Leitungen installiert. In der Nähe des Umspannwerks liegt die Demontage und Wartungshalle mit einem Rauminhalt von 2.800 m³. Ein kurzer, 14 m langer Freispiegelentsorgungskanal führt das genutzte Wasser wieder dem Pfitscherbach zu.
Das Kraftwerk wird vom Fernüberwachungszentrum in Bozen aus fernbedient.



